Moin … nach einer langen Nacht hieß es am zweiten Festivaltag trotzdem wieder, pünktlich um 14 Uhr vor der Bühne stehen.
Schlaf wird schließlich überbewertet, wenn ein so starkes Billing auf einen wartet.

Den Auftakt machten Cult ov Void aus Rostock. Die Band kommt mit einer auf das Wesentliche reduzierten Besetzung aus, denn Sie bestehen nur aus drei Musikern. Das ist mittlerweile nichts besonderes, aber auffällig ist, der Drummer übernimmt gleichzeitig auch noch den Gesang. Bei den Vocals wird immer wieder vom Gitarristen unterstützt, der auf einer siebenseitigen Gitarre mächtig Druck erzeugt. Komplettiert wird das Trio von einem äußerst aktiven Bassisten, der ständig über die Bühne fegt. Ich hatte Cult ov Void bereits im vergangenen Jahr im Saunaklub in Wolfsburg gesehen. Damals gab es die aktuelle Veröffentlichung noch nicht. Jetzt hatten sie ihre frisch erschienene Debüt-EP im Gepäck und präsentierten die Songs mit jeder Menge Spielfreude und ordentlich Wucht.
In der Umbaupause ging es direkt mit zwei Freunden zum Merch. Dort zeigte sich die Band genauso sympathisch wie auf der Bühne. Es ergab sich ein richtig angenehmes Gespräch und natürlich erwarben wir Ihre letzte Woche erschienene EP.

Als Nächstes standen Psycrotted aus Leipzig auf der Hauptbühne. Mit zwei Gitarristen wirkte der Sound sofort deutlich voluminöser und druckvoller. Die Mischung aus Death Metal mit kräftigen Thrash-Einflüssen funktionierte hervorragend, dazu kamen immer wieder starke Gitarrensoli’s. Nach dem Auftritt führte der Weg erneut zum Merch. Das Debütalbum musste einfach mit. Alle Bandmitglieder nahmen sich viel Zeit für die Fans, unterschrieben CDs und sogar Drumsticks und plauderten ganz entspannt, ein echtes Highlight abseits der Bühne.

Mit Hate Dot Com wechselte die musikalische Richtung etwas mehr in den Thrash Metal. Hate not com wurden 2006 in Gelsenkirchen gegründet und haben 3 Alben veröffentlicht, allerdings ist das letzte Release aus 2017. Vor allem der Gitarrist wusste zu überzeugen und lieferte starke Leads. Für meinen Geschmack verlor sich der Sänger allerdings etwas zu oft in langen Ansagen zwischen den Songs. Weniger Gerede und mehr Musik hätte dem Auftritt gutgetan. Dem Publikum scheint es nicht zu stören, denn das Anfield war gut gefüllt und alle hatten eine Menge Spaß.

Jetzt wird es wieder stressig, denn ab jetzt wird in den Pausen, auf der kleinen Bühne live Musik präsentiert. Die Band Iron Priest huldigt den Klassikern der Metalwelt. Nach dem Einstieg mit Iron Maidens “Wrathchild” folgten Running Wild, Metallicas “Creeping Death” und zum Abschluss des ersten Set Accepts “Princess of the Dawn”. Die kleine Bühne war entsprechend gut gefüllt und die Stimmung bestens.

Zurück auf der Hauptbühne, dort musste leider eine Programmänderung vorgenommen werden. Fall of serenity müssten kurzfristig absagen, dafür sprang spontan die Band VxPxOxAxAxWxAxMxC. VxPxOxAxAxWxAxMxC kommen aus Österreich und Spielen Grindcore, das Genre polarisiert eben, entweder man liebt ihn oder eben nicht. Das Infield war trotzdem brechend voll, was schon alles über die Beliebtheit der Band sagte. Franz (Vocals) wollte eine Wall of Death, bei der sich das Publikum das T-Shirt über den Kopf ziehen sollten, um das Chaos noch etwas zu steigern. So ganz hörte allerdings niemand auf die Anweisungen des Sängers, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Als nächste forderte Franz das Publikum einen Schuh auszuziehen und auf die Bühne zu werfen, damit man das Aschenputtel finden kann. Natürlich flogen innerhalb von x Sekunden dutzende Schuhe durch die Luft. Ob man die Musik mag oder nicht, die Stimmung im Anfield war hervorragend.
Auf dem Weg zu einer kulinarischen Verstärkung bin ich einigen Metal Frenzy Crew Mitgliedern über den Weg gelaufen und man hat sich angenehm unterhalten.
Auf der kleinen Bühne ging es mit Iron Priest und Ihre Huldigung weiter. Es folgten die Klassiker von Judas Priest und Iron Maisen mit „Electric eye“, dann weiter “Wasted Years”, “Night Crawler”, “The Number of the Beast” und als Abschluß “Hallowed Be Thy Name”. Diese Songs sorgten für eine rappelvolle Bühne und textsichere Besucher. Bei diesen Songs musste einfach jeder mitsingen.

Nach Grindcore geht es auf der Hauptbühne weiter mit Sagan Black Metal. Horn kommen aus Paderborn und wurden 2002 gegründet. Horn hat schon viele Alben veröffentlicht und präsentieren hier ihr aktuelles Release „Apokalyps 1618“ was letzten Monat erschien. Horn durfte ich vor einigen Monaten auf dem Ragnarök bewundern, aber hier bei strahlenden Sonnenschein kommt es noch mal stimmungsvoller rüber. Besonders cool, das auch Bandmitglieder von vorherigen Bands, wie z.B. der Bassist von Cult ov Void mischen sich kurzerhand selbst in den Moshpit. Musikalisch überzeugte Horn auf ganzer Linie und spielten sich in die Herzen der Metalheads.
Die Coverparty mit Iron Priest auf der kleinen Bühne ging weiter. Mit “Ace of Spades”, “Symphony of Destruction”, “Kings of Metal”, “Angel of Death” und als überraschendem Abschluss “Fight for Your Right” wurde noch einmal ordentlich gefeiert.

Dann kam für mich eines der Tageshighlight mit Servant. Für mich gehören sie aktuell zu den stärksten Black-Metal-Bands Deutschlands. Ich habe sie dieses Jahr bereits dreimal live gesehen, aber dieser Auftritt setzte noch einmal einen drauf. Atmosphärisch, intensiv und musikalisch auf höchstem Niveau, ganz klar meine Band des Tages. Servant erinnern mich an Behemoth vor 20 Jahren. Die Band haben sich 2021 in Hann. Münden gegründet und schon 3 Alben veröffentlicht. Die Band hat komplett Corpsepaint und machen musikalische keine Kompromisse. Keine Ansagen, kein unnötiger Smalltalk sondern lassen ihre Song für sich sprechen.
Im Herbst ist Servant auf Deutschland Tour um ihr vierten Release zu promoten, was 02.10. über AOP Records erscheint.
Auf der kleinen Bühne präsentieren Iron Priest weiterhin viele Klassikern. “The Trooper”, “Breaking the Law”, “Fear of the Dark” und “Run to the Hills” sorgten erneut für ausgelassene Stimmung.

Mit Torture Killer wurde es anschließend wieder deutlich brutaler. Torture killer wurde 2002 in Turku (Finnland) gegründet und machen sich, was Veröffentlichungen betrifft sehr rare. In den ersten 10 Jahren haben sie vier Alben veröffentlicht und seit dem mussten die Fans warten, 2022 kam nur eine EP. Die Band spielt kompromisslosen Death Metal und brachten das Infield noch einmal ordentlich in Bewegung. Ich habe mich sehr darüber gefreut, da ich Torture killer noch nie live sehen durfte.

Zum Abschluss auf der kleinen Bühne überraschten Artless positiv. Artless kommt aus Reichenbach im Vogtland und wurden schon 1996 gegründet. Ich habe bis heute, leider, von der Band noch nie was gehört. Artless spielen Melodic Death Metal und haben seit heute einen neuen Fan. Das nicht nur ich das so sehe, zeigt der gut gefüllter Bereich vor der Bühne und für mich definitiv eine spannende Neuentdeckung.

Den Abschluss des zweiten Festivaltages übernahmen Non Est Deus. Beeindruckend, wie schnell sich die Band vom Underground bis zum Headliner hochgespielt hat. Der Platz vor der Bühne war komplett gefüllt und sie wurden dieser Rolle mehr als gerecht. Der Sound war hervorragend, der Bühnenaufbau beeindruckend und die Pyroeffekte sorgten zusätzlich für eine großartige Atmosphäre. Es fing mit Kirchenglocken an und Non est Deus betreten die Bühne. Die Band bzw. Noise verzichtete komplett auf Ansagen und ließ stattdessen die Musik sprechen. Viele Song wurde mit Gesten, Andeutungen, Aktionen von Noise und seiner Band inzidiert. Die Energie übertrug sich vom ersten Moment an aufs Publikum, ganz ohne ständige Aufforderungen. Kurz vor dem Ende bei dem Song “Fuck You God” eskalierte die Menge endgültig mit Moshpit und ausgelassener Stimmung. Nach rund 70 Minuten war die Messe gelesen und ein überragender zweiter Festivaltag ging zu Ende.

Auch Tag zwei zeigte wieder eindrucksvoll, warum das Rude Festival so besonders ist, starke Underground-Bands, entspannte Musiker am Merch, leidenschaftliche Fans und eine Atmosphäre, die man einfach erlebt haben muss.
Danke an Thomas für die Akkreditierung. Wir sehen uns 2027 wieder vor der Bühne!
Text: Frank
Fotos: Jan Jacobson
